Dez 13 2008
Statements, die Veganer immer wieder zu hören kriegen…
…und ein paar interessante Fakten dazu. Und nein, ich will damit niemanden angreifen. Viele dieser Äußerungen hätte ich früher vielleicht selbst gemacht - einfach, weil ich keine Ahnung hatte. Und weil es den meisten, die die folgenden Äußerungen machen, offensichtlich auch so geht, kommt hier eine kleine Aufklärungskampagne
Was isst du eigentlich noch?
Ich will niemandem mangelnde Kreativität vorwerfen, aber die Vielfalt des leider viel zu oft zur Beilage degradierten Gemüses bietet eine gute Grundlage für viele leckere Gerichte. Wer seine Gemüse-Aufnahme also auf 3 bis 5 Sorten beschränkt ist selbst Schuld. Wer mal etwas Abwechslung auf dem Teller haben will, kann sich auf dem Wochenmarkt, im Bio-Laden, beim Bauernhof um die Ecke (wenn man sowas hat) oder aber bei Lieferanten wie der Gemüsekiste eindecken. Letztere liefert vielfältiges, regionales und saisonales Gemüse - und wenn man die Schwarzwurzeln, Pastinaken, Artischocken, Postelein und Co. erstmal zu Hause hat, kann man außerhalb der Standardgerichte einfach mal ein wenig experimentieren.
Während Tofu den meisten sicher noch bekannt ist, können die wenigsten mit Seitan, Miso und Tempeh etwas anfangen. Aber auch daraus lassen sich leckere Gerichte zaubern.
Und wer auf sein geliebtes Fleisch nicht verzichten kann, findet heutzutage eine Vielzahl an Fleisch-Imitaten. Für die meisten Veganer eher überflüssig, aber gerade Neu-Veganer greifen in der Übergangszeit gerne darauf zurück. Wer nun fragt “Wozu ein Ersatzprodukt essen, wenn ich auch das Original essen kann?”, dem kann ich nur entgegnen “Wozu ein Tier quälen und töten, wenn es das gleiche Geschmackserlebnis auch auf pflanzlicher Basis gibt?”
Wie hältst du das bloß durch?
Ich muss nicht “durchhalten”. Ich verzichte nicht. Ich fühle mich einfach sehr gut mit meiner Entscheidung und kann tierische Produkte schlichtweg nicht mehr genießen. Denn für mich sind sie nunmal direkt mit dem Leid und der Ausbeutung von Tieren, mit der Zerstörung unseres Planeten und einem äußerst ungesunden Lebensstil verbunden. Für ein bisschen guten Geschmack ist mir der Preis einfach zu hoch. Davon abgesehen, dass ich lecker und vielfältig esse (siehe oben) und deshalb auch nichts vermisse.
Hast du keinen Nährstoffmangel?/Musst du Nahrungsergänzungsmittel nehmen?
Wir stammen von pflanzenfressenden Affen ab. Übermittelt ist, dass es bereits in der Antike vegan und vegetarisch lebende Menschen gab. In jeder Epoche gab es Menschen, die auf tierische Produkte verzichtet haben. In fast jeder Religion gibt und gab es vegane Bewegungen. In der heutigen Zeit schließen sich immer mehr Menschen dem Veganismus an. Eines haben fast all diese Veganer gemeinsam: Sie sind im Schnitt gesünder als die restliche Bevölkerung (sogenannte Pudding-Veganer einmal ausgenommen).
Nahrungsergänzungsmittel gibt es dagegen nicht einmal 100 Jahre. Konsumiert werden sie meist von gestressten Großstädtern, die zwischen Currywurst und Pommes ein paar Vitamine zu sich nehmen wollen, um sich “auch mal was Gutes zu tun”.
Was sollten Veganer denn für Tabletten schlucken? Das “Gute” aus der Wurst in eine Tablette komprimiert? Was soll das sein?
Tierisches Fett? Kann der Körper selbst herstellen, mit der Nahrung müssen wir nur die essentiellen Fette aufnehmen.
Tierisches Eiweiß? Wird von immer mehr Studien mit diversen Krankheiten wie Krebs und Co in Verbindung gebracht. Mal davon abgesehen, dass die meisten von uns ohnehin viel zu viel Eiweiß aufnehmen und ihrem Körper damit erheblichen Schaden zufügen. Zudem ist Eiweiß auch in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten - ohne die negativen Eigenschaften des tierischen Eiweißes.
Vitamine? Klar sind davon welche in Fleisch vorhanden. Genauso aber in vielen pflanzlichen Lebensmitteln, so dass ein Mangel bei Veganern wohl kaum zu befürchten ist. Einzige Ausnahme: B12. Die Forschung dahingehend ist noch nicht sonderlich weit. Vermutet wird, dass man B12 durchaus mit Gemüse aufnehmen kann - wenn man es nicht zu gründlich wäscht und der Boden, auf dem das Gemüse gewachsen ist, damit “verunreinigt” ist. Es scheint auch so, als könnten manche Menschen B12 im eigenen Darm herstellen. Fakt ist, dass der Mensch nur sehr geringe Mengen B12 benötigt und der Körper im Speicher ausreichend B12 hat, um für mehrere Jahre damit auszukommen. Andererseits gibt es inzwischen diverse Produkte wie Soja-Milch, die B12 enthalten und kaum Veganer, bei denen ein Mangel festgestellt wurde. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift also einfach von Zeit zu Zeit zu angereicherten Produkten. Es ist aber nicht nötig, dafür Tiere zu quälen oder zu töten.
Mineralstoffe und Spurenelemente? Auch die finden sich sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln. Ich will an dieser Stelle nur kurz auf das häufig angesprochene Eisen eingehen: Der Körper kann Eisen aus Pflanzen nicht so gut aufnehmen. Mit Vitamin C kann die Aufnahme aber gesteigert werden. Andere Nahrungsmittel wie Kaffee setzen die Aufnahme herab. Wer also z.B. Fleisch isst, aber auch viel Kaffee trinkt, kann genauso Eisenmangel haben wie ein Veganer, der nicht auf eine entsprechende Versorgung achtet. Deshalb kommt Eisenmangel bei Veganern etwa genauso häufig vor wie in der restlichen Bevölkerung und kann nicht unbedingt auf den Verzicht von tierischen Produkten zurückgeführt werden.
Restbestände von Medikamenten und Giften? Genau, auch die sind in Fleisch und Fisch enthalten. Schauen wir uns dazu die Nahrungskette einmal genauer an: Los gehts mit der Pflanze, die durch verunreinigten Boden, Pestizide und Umweltgifte belastet ist. Diese Pflanze landet bei einem Tier im Futtertrog - und man kann wohl davon ausgehen, dass Tiere in Massenproduktion nicht gerade Pflanzen aus kontrolliert biologischem Anbau als Futter bekommen. Das Tier frisst immer wieder solche Pflanzen. Die schädlichen Stoffe werden nur langsam oder gar nicht abgebaut, der größte Teil lagert sich im Fleisch des Tieres ab, Tag für Tag. Wenn das Tier also beim Konsumenten auf dem Teller landet, enthält das Fleisch ein Vielfaches an Schadstoffen, die in einer Pflanze enthalten sind. Hinzu kommen auch noch Medikamente, Masthilfsmittel usw.
Noch schlimmer sieht’s natürlich aus, wenn das Tier mit anderen Tieren gefüttert wird (Stichwort Tiermehl). Die ohnehin hohe Konzentration an Schadstoffen wird im nächsten Glied der Nahrungskette also noch höher. Auch Milchprodukte sind belastet. Und besonders brisant: Die als so gesund gepriesenen Fische und andere Wasserbewohner weisen mitunter die stärksten Belastungen auf. Vor allem Raubfische sind natürlich betroffen. Wer auf Schwermetalle und andere Schadstoffe im Essen verzichten möchte, sollte also keinen Fisch mehr essen.
Wo wir gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln sind: Fischöl gilt als Wundermittel gegen Arterienverkalkung und Herzinfarkte. Es stammt aus der Leber der Fische. Die Leber hat die Aufgabe, Gifte aus dem Körper zu filtern, ist also der Ort im Körper, der wohl am meisten belastet ist. Fischöle weisen daher eine noch höhere Schadstoffbelastung auf als Fischfleisch. Wer nun sagt “Aber die Eskimos essen ganz viel Fisch und haben deshalb keine Herzkrankheiten”, der sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Eskimos besonders häufig Blutgerinnungsstörungen, Nasenbluten und Epilepsie haben. Immer noch ein gutes Vorbild?
Aber Milch ist doch total gesund und wichtig!
Hierzu möchte ich einerseits auf einen älteren Blog-Eintrag verweisen. Andererseits können wir uns die Milch ja noch einmal näher anschauen. Wenn man von Milch redet, ist in der Regel die Muttermilch der Kühe gemeint. Diese ist genau auf den Bedarf von Kälbern zugeschnitten. Kälber verdoppeln ihr Gewicht innerhalb weniger Tage, haben vier Mägen und sollen später einmal mehrere hundert Kilo wiegen. Wer sich hier wiederfindet, soll gerne weiter Milch trinken. Alle anderen sollten sich die Frage stellen, ob die Säuglingsnahrung einer anderen Spezies für erwachsene Menschen tatsächlich irgendeinen Mehrwert bildet, oder sie nicht vielleicht auf die Werbeindustrie hereingefallen sind - die genau das oben genannte Statement predigt: “Milch ist gesund und wichtig”.
Inzwischen ist durch diverse Studien ein Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Krankheiten wie Fettleibigkeit, Osteoporose und Krebs belegt. Die große Mehrheit der Weltbevölkerung verträgt keine Milch. Dass überhaupt Menschen nach dem Säuglingsalter Milch vertragen ist mit Blick auf die Weltgeschichte eine ziemlich neue Entwicklung. Wie leben bloß die vielen, vielen Menschen ohne Milch, wenn sie doch so unentbehlich ist? Gutes Marketing, Milchlobby!
Wie kannst du nur auf Käse verzichten? Der ist doch so lecker!
Wie ich weiter oben erwähnt habe, kann ich tierische Produkte ganz einfach nicht mehr genießen. Mag er lecker sein - wenn der Genuss fehlt, kann ich genauso gut darauf verzichten.
…to be continued…
