Mai 21 2009

Vegan in der Türkei: Erfahrungsbericht

Veröffentlicht von Anna um 18:09 unter Allgemein

“Meinst du echt, ihr bekommt da veganes Essen? Das wird sicher ganz schön schwierig!” - so oder ähnlich haben die meisten unserer Freunde auf das Thema “Vegane Ernährung in der Türkei” reagiert. Auch wir waren am Anfang unsicher, wie es uns im Urlaub ergehen würde. Und haben festgestellt: Alles überhaupt kein Problem.

Dass es auf dem Flug nur nicht-vegane Sandwiches geben würde, wussten wir bereits vom Reiseveranstalter. Kein Problem, darauf kann man sich schließlich einstellen. Da wir auf dem Hinflug ohnehin nachts unterwegs waren, hielt sich unser Hunger in Grenzen.

Vor Ort hatten wir ein Hotel mit Halbpension gebucht. Morgens und abends sollte es Buffet geben, so dass wir uns leicht die veganen Leckereien hätten raussuchen können. Wie sich aber schnell herausstellte, waren wir neben einem anderen deutschen Pärchen die einzigen Gäste (Saisonbeginn). Ein Buffet gab es also vorerst nicht.

Nachdem man uns am ersten Abend Nudeln andrehen wollte (wenn wir Nudeln essen wollen, fahren wir nach Italien… wir wollten etwas von der leckeren türkischen Küche mitbekommen!), wurden wir in den kommenden Tagen mit leckeren, veganen 3-Gänge-Menüs versorgt. Ich hatte das Hotel vorab über den Reiseveranstalter informieren lassen, außerdem hatten wir ein Informationsblatt über unsere vegane Ernährung in türkischer Sprache dabei. So wusste das Hotel Bescheid und für uns gab es Salat, leckerstes Gemüse im Tontopf, Beilagen wie Brot, Reis und Pommes (letztere hätten sie allerdings auch gerne weglassen können *g*), Suppen und zum Nachtisch häufig frisches Obst. Gegen Ende unseres Urlaubs trudelten dann auch mehr Gäste ein, so dass es schließlich doch noch ein Buffet gab.

Das Frühstück gestaltete sich zunächst etwas schwieriger. Erwartungsgemäß war Marmelade der einzige vegane Brotaufstrich. Immerhin gab es jeden Morgen frische Tomaten, Gurke, Oliven, Rosinen und manchmal auch getrocknete Aprikosen. Wir haben uns im Supermarkt außerdem mit einem wahnsinnig leckeren Haselnuss-Vanille-Aufstrich und Ajvar eingedeckt und durften diese Sachen netterweise auch mit zum Frühstück nehmen (bzw. haben es einfach ganz dreist gemacht *g*).

Mittags sind wir häufig essen gegangen und haben meist Salat gegessen, aber auch mal Pide oder Pizza ohne Käse bestellt. Wenn wir unsere Veganer-Info vorzeigten oder unsere etwas seltsamen Wünsche äußerten, haben die Kellner zwar oft geschmunzelt, haben sich aber auch immer größte Mühe gegeben, uns entsprechende Sachen zu servieren. Ob das mit dem Veganismus aber tatsächlich jemand verstanden hat, wage ich zu bezweifeln… Immer, wenn wir dachten, sie haben es kapiert, brachte man uns Joghurtsauce oder Mayonnaise ;-)

Erstaunt waren wir, als wir im Supermarkt Alpro Soya gefunden haben. Mit einem Preis von rund 5 Euro pro Liter ist sie recht teuer, aber es scheint Abnehmer zu geben.

So sind wir also problemlos vegan durch den Urlaub gekommen. Erst am letzten Tag hat uns eine nette Dame Blätterteigtaschen mit Schafskäse untergejubelt. Auf unsere Frage, mit was die Taschen gefüllt sind, haben wir die Antwort “Spinat” erhalten. Erst als wir am Flughafen unser Abendbrot einnehmen wollten, weil wir im Flugzeug ja nichts bekommen würden, haben wir den Fehler bemerkt. Wir haben beide etwa eine halbe Blätterteigtasche gegessen, mehr haben wir allerdings auch nicht runterbekommen. Sicher ist ein großer Teil davon Kopfkino, aber wir haben uns beide zu sehr geekelt und fanden die Schafskäsetasche einfach nicht lecker - obwohl wir Schafskäse früher geliebt haben. Davon, unser Essen zu genießen, waren wir jedenfalls weit entfernt. So wanderten die beiden halbgegessenen Schafskäsetaschen schlechten Gewissens in den Müll (1. weil wir Tierprodukte konsumiert haben, 2. weil wir sie dann nicht mal aufgegessen haben und 3. weil ich generell nicht gerne Lebensmittel wegschmeiße).

Mein Fazit nach 9 Tagen veganem Essen in der Türkei: Wenn man fragt und seine Wünsche (zur Not mit Händen und Füßen) erklärt, hat man gute Chancen auf veganes Essen! Verständnis für diese Ernährungsform sollte man jedoch nicht erwarten.

Eine Antwort zu “Vegan in der Türkei: Erfahrungsbericht”

  1. seenuam 21 Mrz 2010 um 11:13

    Vielen Dank für eure Erfahrungen, echt super!

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